SEM-Stammtisch-Frankfurt

Der Treffpunkt zu SEM, SEO, SEA im Rhein-Main-Gebiet

SEM-Stammtisch-Frankfurt

SEO Campixx 2017 Recap

Am 13. März 2017 von Thomas geschrieben
2 Kommentare · SEO

Und wiedermal ging es zur SEOCampixx nach Berlin. Ich glaube, es war dieses Mal meine 7. Campixx. Um es vorweg zu nehmen, für mich persönlich war es eher eine schwächere Campixx, was aber an mehreren Faktoren lag. Doch dazu mehr im Laufe meines ReCaps.

Ein Punkt, der sicher auch zum Eindruck beigetragen hat, ist den streikenden Flughafenmitarbeitern geschuldet. Zum einen war es für mich persönlich schwierig nach Berlin zu reisen, zum anderen waren einige Leute auf die ich mich gefreut hatte, der Campixx ferngeblieben.

Quelle: http://www.bz-berlin.de/berlin/streik-an-berliner-flughaefen-was-muessen-reisende-beachten

Ich hatte mich kurzfristig entschieden, einfach schon am Donnerstag und damit einen Tag früher als geplant, anzureisen. Den freien Freitag habe ich dann einfach einen Berlin-Experience-Tag gemacht, mich am Abend mit einem alten Freund getroffen und Samstag ging es dann endlich los mit der SEOCampixx.

Bei der Begrüssung der Teilnehmer durch Marco Jank habe ich zum ersten Mal erfahren, dass Marco in seinem früheren Leben Polizist war und dass dies der Grund dafür ist, dass die Campixx immer am Wochenende stattgefunden hat. Auch wenn es nichts über den Menschen aussagt, fand ich das irgendwie sympathisch und auch sehr zur Person Marco passend. Mit anderen Worten, ich könnte mir Marco immer noch sehr gut in seinem alten Beruf vorstellen. Aber zurück zur organisatorischen Seite der Campixx: die Wochenend-Tradition will er künftig aufbrechen und die nächste Campixx soll dann erstmals an zwei Werktagen stattfinden. Schade eigentlich, ich fand diese Wochenend-Veranstaltung immer sehr charmant und hat mir die interne Koordination mit den beruflichen Terminen innerhalb der Familie erleichtet.

Nun aber zu den Sessions. Ich bin gestartet mit Cash & Run mit dem „Mann mit dem Hut“, Thomas Midnich. Thomas ist ein SEO-Urgestein und hat schon sehr viel Erfahrung in der Erstellung und Optimierung von SEO-Texten gesammelt. Eine seiner Haupt-Thesen ist, dass die HTML-Dokumente die oben stehen, bestimmte Textpattern besitzen, die man selbst auch haben sollte, um vorne mitzuspielen. Für die datengetriebene Textanalyse hat er ein eigenes Tool entwickelt, dass weit über den WDF*IDF Ansatz hinauszugehen scheint. Die Screenshots aus dem Tool waren auf jeden Fall sehr interessant (s. termlabs.io)

Eine weitere These war, dass Transactionale Suchanfragen normalerweise keine SEO-Texte brauchen, um zu ranken. Viele große Online-Shps sehen das aber immer noch anders und haben fleissig SEO-Texte in ihre Kategorie-Templates gepackt (z.B. Zalando).

Eine interessante Aussage hatte er auch noch zum Page-Speed: seine Tests hatten keine Korrelation zu Rankings ergeben, weder positive noch negative. Ich lasse das mal so Wertungsfrei stehen, da ich selbst hier auch keine eindeutigen Ergebnisse habe. Aber es widerspricht schon den gängigen SEO-Mantras.

Als nächsten Vortrag hatte ich mir Kaspar Szymanski herausgesucht. Der Vortrag hieß „Backlinktipps vom ehemaligen Search Quality Googler“ und passend dazu hatte mir einige Tipps erhofft, welche Linkpratiken noch funktionieren.

Stattdessen ging es hauptsächlich darum, welche Möglichkeiten man hat, wenn man eine manuelle Penalty erhalten hat (Stichwort: Reconsideration request). Dieses Thema hat mich eigentlich nicht sonderlich interessiert. Zielführender wäre es gewesen, dass Kind auch schon in der Beschreibung der Session beim Namen zu nennen. Ein Punkt den ich mir trotzdem gemerkt habe war, dass wenn es einen erwischt hat, man keine Ausreden formulieren sollte, sondern rein faktisch aufzeigt, was man geändert hat und das man die Versicherung geben sollte, künftig im Rahmen der Google Richtlinien zu arbeiten.

Dann ging es in die Mittagspause. Die fand ich dieses Mal richtig gut, weil das Orga-Team diesmal viel mehr Sitzkapazitäten aufgebaut hatte. In den letzten Jahren war es so, dass man mit seinem Teller oftmals lange rumrennen musste, bis man einen freien Platz ergattern konnte. Das war dieses Mal wesentlich entspannter.

Weil ich viel mit WordPress arbeite, habe ich mich danach in die Session von Karl Kowald gesetzt „WordPress aus dem Nähkästchen geplaudert“. Seine Schwerpunkte lagen auf der Absicherung der WordPress-Instanz gegen Hacking und die Optimierung des Page-Speed mittels Caching.

Beim Caching unterscheidet er zwischen Speichern einer Full-Page und der Zwischenspeicherung von einzelnen Objekten

Full-Page → Datenbank (eher nicht so empfehlenswert) → in einem File auf Server → im Arbeitsspeicher (z.B. Memcache, Varnish) → Serverseitig (z.B. CDNs wie Cloudflare).

Objekt Caching → MySQL InnoDB
PHP Byte Cache

… und noch einige weitere. Wer sich für die Inhalte neäher interessiert, der sollte mal in das Recap von Sebastian Blum schauen. Bei Karl könnt ihr auch die Folien anfragen.

Noch etwas grundsätzliches zu den Sessions. Mir kam es so vor, als ob es weniger als in den Vorjahren gewesen wären. Gleichzeitig hatte ich Schwierigkeiten mit der zeitlichen Verteilung. Es gab Zeitslots, da war kaum etwas dabei, was mich von der Inhaltsbeschreibung angesprochen hatte. Dann gab es wiederrum Zeitslots mit mehreren interessanten Speakern, die parallel sprachen. So auch am Samstag-Nachmittag als Karl Kratz, Malte Landwehr, Marcus Schoebrichs, Uwe Walcher und Hanns Kronenberg zur gleichen Zeit antraten. Das war sehr schade, denn hier hätten mich alle Sessions sehr interessiert. Ich habe mich dann zu Hanns Kronenberg gesetzt, der einmal mehr die SERPS vermessen hatte und uns die Verbreitung der Snippets in den Google SERPs vorgestellt hat. Wie bei Hanns üblich, hat er umfangreiche statistische Daten aus der Sistrix-Toolbox mitgebracht. Dabei ging es z.B. um abgeschnittene Titles (sollte man möglichst optimieren) oder Mini Sitelinks, die nur bei 0,8% der ausgewerteten Anfragen für die Top 10.000 Webseiten angezeigt werden. Leider wusste auch kein Teilnehmer, wann man die bekommt. Das deckt sich mit der niedrigen Verbreitung 😉

Hanns stellte aber insbesondere auch die neuen Feature-Snippets wie z.B. Antwortboxen (werden fast nur für wikipedia angezeigt), Listen mit und ohne Bild, Video-Snippets (gebt mal als Search Query „Anton aus Tirol“ ein) und Tabellen (hier war Gehaltsvergleich.com stark).

Besonders interessant fand ich, dass Hanns für jeden Snippet-Typ immer noch die Webseiten tabellarisch vorgestellt hat, die besonders oft bei bestimmten Snippet-Merkmalen vorkamen. Darüber könnte man Best-Practice-Webseiten für bestimmte Snippets analysieren.

Wer eine Webseite auf vorhandene Snippets-Einblendungen testen will, kann mal www.sistrix.de/snippet-check aufrufen. Ob Teile davon in die Tool-Box überführt werden, lies Hanns noch offen.

Für die letzte Session an dem Tag habe ich mir Phil Klöckner (aka pip) ausgesucht. Ich hatte mal einen RockStars-Podcast mit ihm gehört (sehr geil!) und da wollte ich ihn auch gerne mal live erleben. Sein Thema war weniger SEO-behaftet, sondern es ging ihm eher um die Vermittlung von allgemeinen Learnings. Ein Credo war z.B. die Fokussierung, kein Multi-Tasking auf allen Ebenen, sondern die richtigen Dinge tun und das dann mit Vollgas. Er zitierte hier Marc Zuckerberg, der bei allen Feature-Requests gefragt haben soll, „ob uns das Feature schneller wachsen lässt“?

Bei der Budgetierung von Marketing-Kanälen stellt er sich die Frage, ob der Kanal schon (z.b. bei anderen Unternehmen) bewiesen hat, dass er rockt. Wenn nein, dann besser lassen.

Für alle, die im Bereich Social Media unterwegs sind, hatte er eine provokante These parat: er stellte fest, dass die organische Reichweite von News in den Sozialen Netzwerken (Facebook) immer weiter zurückgeht. Die Zeit von Free Lunchs ist hier vorbei. Wer auf Facebook seine eigenen Fans erreichen will, muss dafür zahlen. Auch Firmen-Blogs gab er keine große Daseinsberechtigung. Selbst große Coperate-Blogs erreichen so gut wie keine User-Interaktion (Kommentare, Likes etc.). Seine Folgerung: Social Media Manager sind überflüssig!

Für SEOs hatte er auch noch eine Botschaft, die nicht jedem gefallen dürfte. Die Bedeutung von technischem SEO, Content und Links nimmt immer weiter ab. An dessen Stelle gewinnt die UX (User Experience) dagegen immer weiter an Bedeutung für Rankings.

Am Ende seines Vortrages hat er noch einige Beispiele gezeigt, wie er seinerzeit mit Wimdu die deutschen SERPs für Wohnungsvermittlungen gegen AirBnB dominiert hat. Ich kannte diesen Teil schon aus dem RockStars-Podcast. Sein Ansatz ist der, dass er sämtliche Inhalte radikal auf den Prüfstand stellt. Sind Inhalte minderwertig, werden die nicht indexiert. Bei Wimdu hatte er nur noch Kategorieseiten im Index, aber keine einzelnen Wohnungsangebote mehr. Zur Verdeutlichung benutzt er einen Effizienz-Index. Dabei setzt er die sich im Index befindlichen Seiten ins Verhältnis zur Sichtbarkeit.

also: Sichtbarkeit (z.B. Sistrix) / Anzahl Pages im Index * 1000.

Nach dieser Session hatte ich einiges an Input zu verdauen. Ich bin dann relativ früh zurück ins Penta gefahren und habe etwas relaxed. Von den Abendveranstaltungen kann ich an der Stelle also nichts berichten. Dafür habe ich noch an der Hotel-Bar ein Bier mit Andi getrunken, einem netten Münchner, den ich vorher noch nicht kannte.

Das Recap zum zweiten Tag will ich damit beginnen, warum ich eigentlich regelmäßig die Campixx besuche. Primär, weil ich mich zu aktuellen SEO-Trends updaten will. Von den Sessions erhoffe ich mir einen Überblick über die wichtigsten Webmaster-Themen und darüber hinaus ein paar Denkanstöße für meine eigenen Projekte. Mindestens genauso wichtig ist mir aber der Austausch mit den anderen Teilnehmern – ausserhalb der Sessions. Im Vergleich zu anderen Branchen, in denen ich Teile meines Berufslebens verbracht habe, ist die Webmaster-Community unglaublich offen und es fällt sehr leicht, mit anderen ins Gespräch zu kommen. Besonders interessant finde ich, wenn ich auf jedemanden treffe, der zwar auch irgendwie etwas mit SEO zu tun hat, aber sich dem Thema von einer ganz anderen Seite als ich nähert. Shop-Betreiber, Agenturen, Affiliates, Inhouse-SEOs – jeder hat hier einen ganz eigenen Blick auf die Branche und interessante Beispiele aus seinem Berufsleben, die mich zum nachdenken anregen und über den Tellerrand schauen lassen.

Der Sonntag startet ja üblicherweise etwas später, so konnte ich in aller Ruhe im Penta frühstücken und dann wieder zurück ins Hotel am Müggelsee fahren. Dort habe ich mich dann in die Session von Dominik Lay gesetzt. Er ist der Inhouse-SEO von eventim und in seiner Session hat er einen kurzweiligen Einblick in die Aufgabenstellungen eines Inhouse-SEOS gegeben „Want to have to SEO Rockstar bei Eventim„, der mit einem hoffnungslos unübersichtlichen Shop-System die internationalen Webseiten seines Arbeitgebers optimieren soll.

Danach habe ich mich in die Session „WordPress Professional 3“ von Sebastian Blum und einem Kollegen gesetzt. Ich war letztes Jahr schon in der Session von ihm und hatte da einige Dinge zum Thema Absicherung der WordPress Instanz über die htaccess mitgenommen. Dieses Mal waren seine Themen Security, Page-Speed und Bilder-Optimierung.

Plugins sollte man nicht automatisch updaten, sondern vor einem manuellen Update zuerst in das Repository schauen, was man da genau für einen Code deployed. Das ist insbesondere dann zu empfehlen, wenn ein anderer Entwickler das Plugins übernommen hat. Er hatte Beispiele, bei denen über Plugins Code zum Auslesen der Login-Daten eingeschleust wurden. Der Bereich Page-Speed war für mich als Nicht-Entwickler nur ansatzweise nachzuvollziehen. Er arbeitet gerne mit einem Mini-CSS welches nur die notwendigsten Teile der Webseite enthält und lädt dann asynchron weitere Ressourcen nach. Mehr kann ich dazu leider nicht sagen, die Folien gibt es aber auf seiner Webseite (habe ich weiter oben bei Karl Kowald verlinkt). Beim letzten Punkt, die Bilderoptimierung, bin ich fast komplett ausgestiegen. Ich muss dazu sagen, dass ich noch nichtmal Photoshop fehlerfrei bedienen kann. Zumindest weiß ich jetzt, dass es hier auch noch Potentiale gibt 😉

Am Nachmittag habe ich mir eine Doppel-Session gegeben. René Schröter und Christoph Szepanski haben hier in rund 90 Minuten einen tollen 360-Grad-Überblick zu Linkbuilding-Techniken gegeben. Dabei hatten sie die Inhalte schön gegliedert und eigentlich für jede Linkbuilding-Technik passende Beispiele, teilweise untermauert mit Screenshots aus Google Analytics, die zeigten, wieviel Traffic über die aufgebauten Links gekommen ist.

Klar, fast alle der dort gezeigten Linkbuilding-Techniken waren mir grundsätzlich bekannt und wurden von mir in der Vergangenheit auch größtenteils selbst schon eingesetzt. Wie immer gab es aber doch neue Denkanstöße und ich fand es auch interessant, dass hier nachgewiesen wurde, dass Linkbuilding nicht tot ist.

Wie immer am zweiten Tag der Campixx leeren sich die Räume am Nachmittag, weil viele schon vorzeitig abreisen. Für die Vortragenden ist der Termin daher immer etwas undankbar. Das hat sich Jakob Holterhöfer mit seinem Thema „YouTube – from Zero to Hero“ aber in keinster Weise anmerken lassen. Der Vortrag von ihm wird mir sicher am längsten im Gedächnis bleiben, weil er thematisch wirklich aus dem Rahmen gefallen war. Er hat mit seiner Agentur einen YouTube-Kanal mit einem fiktiven Alter Ego aufgebaut. Die Protagonistin Oxana, eine russisch-stämmige Hausfrau, ist eigentlich eine Schauspielerin, die für diese Rolle ausgewählt wurde. Mit dem Projekt will er ausprobieren, ob man mit einer professionellen Herangehensweise einen erfolgreichen YouTube-Kanal aufbauen kann. Beeindruckt hat mich, mit welcher Professionalität er dabei zu Werke gegangen ist. Er und seine Agentur hatte keinerlei Vorkenntnisse in der Video-Produktion. Er hat hier also bei Null angefangen und sich sehr genau überlegt, was er zum Aufbau eines Kanals für Ressourcen benötigt. In seinem Vortrag hat er sehr anschaulich und mit echten Zahlen gezeigt, was er bisher in das Projekt investiert hat (Schauspielerin, Technische Ausrüstung, fiktive Wohnung, Rechtsberatung, Marketing usw.) und was der Kanal bisher erreicht hat.

Investitionen in das technische Equipment

Ich fand das vorgestellte Video von Oxana echt lustig und kann mir gut vorstellen, dass das irgendwann sehr erfolgreich werden kann. Aber schaut doch am besten selbst einmal

Nach der letzten Session hatte ich Glück, dass ich im Taxi von Gnomad-Nils und zwei weiteren Jungs mit nach Tegel fahren konnte und dass am Sonntag nicht gestreikt wurde.

Folge mir auf Twitter!

Weitere Beiträge von Thomas

Tags:

2 Kommentare bis jetzt ↓

  • Reen (1 comments)

    Hey Thomas,

    habe ich deine – in der Einleitung suggerierten – negativen Aspekte überlesen?

    Finde genau solche Blickwinkel sehr interessant 😉

    Mir hat die Campixx, wie jedes Jahr sehr gut gefallen. Was natürlich auch daran liegen kann, dass es meine Jahresveranstaltung ist. Ich besuche keine weitere „Groß-Konferenz“.

    Greez Reen

    • Thomas (18 comments)

      Hallo René, danke für Deinen Kommentar! Genau, die Punkte, die mir dieses Jahr nicht so gut an der SEOCampixx gefallen haben, stehen im Recap, sind aber vielleicht etwas untergegangen. Zum einen sind einige Teilnehmer, die sonst regelmäßig auf der Campixx waren, dieses Jahr nicht dort gewesen (eventuell durch den Streik bedingt). Zum anderen hatte ich das Gefühl, dass es weniger Sessions als in den Vorjahren gewesen sind. Dann habe ich in Sessions gesessen, die in der Überschrift andere Inhalte suggerierten und damit nicht das hielten, was versprochen wurde. Zuguterletzt hatte ich etwas Probleme mit der Zeitplanung, da zu einem Zeitslot viele bekannte Speaker parallel antraten, während ich andere Zeitslots hatte, wo ich kaum etwas für mich passendes gefunden habe. Aber das ist natürlich nur meine subjektive Sichtweise. Grundsätzlich ist die SEOCampixx für mich die wichtigste Veranstaltung in der Branche!